FAQ

Was ist der 1. Mai überhaupt?
Anfang 1886 rief die nordamerikanische Arbeiter_innenbewegung einen Generalstreik zur Durchsetzung des 8 Stunden Tages aus. Am 1. Mai des Jahres begann auf dem Haymarket in Chicago ein mehrtägiger Streik, der brutal durch die Polizei niedergeschlagen wurde. Es folgten Auseinandersetzungen, in deren Verlauf mindestens 21 Arbeiter_innen ermordet und über 200 verletzt wurden. Seit 1890 findet der 1. Mai daher als internationaler Kampftag der Arbeiter_innen in der ganzen Welt statt. Der Charakter ist in verschiedenen Ländern und im Laufe der Zeit recht unterschiedlich ausgefallen. In Deutschland haben die Nazis 1933 den 1. Mai zum „Tag der nationalen Arbeit“ umgetauft, was sich als „Tag der Arbeit“ leider immer noch hält. Dabei waren die Ursprünge ganz klar gegen die Lohnarbeit gerichtet, von einer Art Arbeitsfetisch oder Nationalismus konnte keine Rede sein. Heute haben sich hierzulande die sozialdemokratisch dominierten Maifeste mit Bockwurst und Bier durchgesetzt. In vielen Städten finden aber auch revolutionäre 1. Mai-Demos statt oder es gibt antikapitalistische Blöcke auf den DGB-Demos – so wie dieses Jahr in Hamburg.

Wer seid ihr und was sind die Inhalte eures Blocks auf der Gewerkschaftsdemo?
Wir sind ein Bündnis verschiedener Gruppen aus der radikalen Linken. Auch wenn wir konzeptionelle und politische Unterschiede haben – z.B. ein eher anarchistisches oder kommunistisches Selbstverständnis –, eint uns der Ansatz in soziale Kämpfe intervenieren zu wollen. Auch die Ablehnung jeder nationalistischen Standortlogik, die Arbeiter_innen verschiedener Länder und Betriebe gegeneinander ausspielt, ist bei uns Konsens. Wir kritisieren die Sozialpartnerschaft zwischen Gewerkschaften und Unternehmen, weil der Kapitalismus immer auf Herrschaft, Ausbeutung und Unterdrückung beruht. Dem Schmusekurs zwischen DGB-Führung und Kapital, der Standortkonkurrenz und den „Sachzwängen“ des Kapitalismus wollen wir eine andere Perspektive entgegenstellen. Uns geht es um eine Verbindung von Kämpfen im Betrieb, im Jobcenter, in Schule und Uni mit den politischen Kämpfen der Linken. Ja, letztlich um eine Perspektive jenseits von Staat und Kapital. Ein inhaltlicher Schwerpunkt ist in diesem Jahr die Solidarität mit den Kämpfen in Südeuropa, die sich gegen die europäische Krisenpolitik richten.

Wenn ihr soviel Kritik an den Gewerkschaften habt, warum ein Block auf der DGB-Demo?
Wir wollen zeigen, dass wir mit dem sozialpartnerschaftlichen Kurs der Gewerkschaften nicht einverstanden sind. Daher auch der Name „klassenkämpferischer/antikapitalistischer Block“. Auf den Gewerkschaftsdemos am 1. Mai sind sehr verschiedene Menschen, die meisten kommen aus Betrieben und sind gewerkschaftlich aktiv. Wir finden es richtig, gerade hier mit eigenen Inhalten aufzutreten und die bestehende Unzufriedenheit mit der Gewerkschaftsführung aufzunehmen. Wir wollen die gesellschaftlichen Kräfte stärken, die an der Basis aktiv sind und für eine andere Gesellschaft streiten. Uns geht es um Basisorganisation in verschiedenen Bereichen, die die Grundlage zur Überwindung von Spaltungslinien und zur Stärkung einer kämpferischen Bewegung sind. Für uns ist es wesentlich für unsere eigenen Interessen zu kämpfen und uns zu organisieren. Selbstermächtigung ist hier das Stichwort. Wir wollen aber auch deutlich machen, dass der Kapitalismus nicht alternativlos ist. Ein allseits gutes Leben für alle ist nur mit einer grundlegend anderen Gesellschaft zu haben. Wir wollen den Kapitalismus überwinden und nicht mit Reformen an ihm herumdoktorn. Aber eine rein abstrakte Ablehnung des Systems bringt uns nicht weiter. Wir müssen uns immer fragen, wo die Kräfte zu finden sind, die ein Interesse an einer Überwindung des Kapitalismus haben. Ganz allgemein und etwas vereinfacht gesagt, sind das für uns immer noch die Lohnabhängigen, die täglich ihre Arbeitskraft verkaufen müssen – seien sie beschäftigt oder im Ruhestand, erwerbslos oder in Ausbildung. Auch wenn ihre konkreten Einkommens- und Lebenssituationen heute zweifellos recht unterschiedlich ausfallen.

Am 1. Mai finden oftmals in mehreren Städten Naziaufmärsche statt. Warum macht ihr trotzdem euren Block auf der DGB-Demo und beteiligt euch nicht an den antifaschistischen Mobilisierungen?

Der 1. Mai ist für uns ein zentraler Tag, an dem die politische Linke in all ihrer Breite gesellschaftlich wahrnehmbar wird. Die unsägliche Tradition der Faschisten am 1. Mai aufzumarschieren, ist in der Tat ein Problem. Wir halten es aber für angebracht, am 1. Mai mit eigenen Inhalten auf die Straße zu gehen und den Tag nicht den Nazis zu überlassen. Die antifaschistischen Mobilisierungen genießen natürlich unsere volle Sympathie. Wir sind zuversichtlich, dass es den Genoss_innen vor Ort gelingen wird, dem „rechten Antikapitalismus“ – der letztlich mit seinem Rassismus, Antisemitismus und völkischen Denken nichts anderes als die Unterwerfung der Lohnabhängigen unter ein vermeintlich „deutsches Kapital“ bedeuten würde – entschlossen entgegenzutreten.

Wie wird euer Block genau aussehen?
Wir wünschen uns einen offenen, bunten und lauten Block. Auf Schildern und Transparenten werden wir unsere Inhalte in die Demo tragen. Dabei werden wir weder mit Kritik am DGB sparen, noch mit radikalistischen Phrasen auf identitäre Abgrenzung setzen. Es wird auch keine ermüdenden Selbstdarstellungen einzelner politischer Gruppen geben, sondern wir setzen bewusst auf einen kollektiven klassenkämpferischen und antikapitalistischen Ausdruck. Redebeiträge sind überwiegend von Aktivst_innen aus Basiskämpfen geplant. So wollen wir auch verdeutlichen, dass es nicht allein die linken Gruppen und Organisationen sind, die uns aus der Defensive der Sozialen- und Klassenkämpfe herausführen werden. Wir hoffen, dass sich möglichst viele Menschen trotz der frühen Uhrzeit beteiligen und zu einem guten Gelingen beitragen. Also kommt am 1. Mai um 10:30 Uhr zur U/S-Bahnstation Rödigsmarkt in Hamburg und helft mit einen starken Block auf die Beine zu stellen!